Storchennest Hilbeck
Weißstörche im Kreis Soest
Fast 60 Jahre waren die Weißstörche aus dem Kreis Soest verschwunden, doch 2007 brütete wieder ein Weißstorchpaar in der Hellinghauser Mersch in einem Pappelwald.
Seitdem nimmt der Bestand stetig zu (Abb1). Im Jahr 2023 waren es 72 Brutpaare, die wir feststellen konnten. Dazu kommen vier weitere im Kreis Warendorf, die eng an die Lippeaue gebunden sind. Die Brutbestandsentwicklung ist ähnlich wie in ganz Nordrhein-Westfalen. Die Weißstörche in Nordrhein-Westfalen profitieren davon, dass sie im Herbst überwiegend nicht mehr den kräftezehrenden Weg nach Westafrika zurücklegen müssen, sondern seit einigen Jahren neue Überwinterungsgebiete in Südeuropa nutzen. In milden Wintern mit ausreichender Wasserversorgung ziehen einige Brutvögel gar nicht weg und überwintern bei uns.
Die Verbreitung der Brutplätze zeigt die enge Bindung des Weißstorches an Auen und andere Feuchtgebiete. Vor allem entlang der Lippe und der Ahse reihen sich die Brutbereiche auf. Vereinzelt gab es auch Brutpaare an der Ruhr, die aber mittlerweile in den Kreis Unna verlagert sind.
Eine neue Entwicklung ist die Wahl von Bäumen als Nistunterlage, auch bereits im Jahr 2007. Aber erst seit 2021 nutzen die Weißstörche diese verstärkt. Hierbei werden oft ältere Pappeln ausgewählt, die jedoch nicht so stabil sind wie die künstlichen Nisthilfen. Große, mächtige Eichen, die z.B. in den österreichischen Marchauen als Nistunterlage dienen, fehlen bei uns weitgehend (Abb2).
Der Bruterfolg schwankt zwischen 1,5 und 2,5 flüggen Jungen pro Brutpaar. Vor allem in den letzten drei Jahren war der Bruterfolg vergleichsweise niedrig. Das kann mehrere Gründe haben. Zum einen siedeln sich oft junge Weißstörche im Kreis Soest an, die das erste Mal brüten und noch unerfahren sind. Zum anderen fällt auf, dass ein Teil der Baumbrüter nur einen sehr geringen Bruterfolg hat. Hier handelt es sich ebenfalls oft um Erstbrüter. Außerdem sind die Nester auf den schwachen Pappeln teilweise instabil. Im Vergleich zu 2023 brüteten im Jahr 2024 im Kreis Soest 74 Paare ( +2 Paare ). Insgesamt wurden 103 Junge flügge.
Quelle: ABU Soest
Geschichte des Weißstorches in Hilbeck:
Im Bereich des Hilbecker Dorfes ist nach unseren Recherchen in den letzten 100 Jahren kein Storchepaar ansässig gewesen.
Da der Weißstorch in Deutschland zu der Gruppe der strenggeschützten Vögel zählt und um etwas für die Natur sowie das Dorf zu schaffen, stellten einige Hilbecker Bürger am 29.03.2022 eine Nisthilfe auf.
Diese wurde schon Ende Mai des gleichen Jahres von einem ersten Storch in Augenschein genommen.
Auch im Jahr 2023 konnten einige Störche an dem Horst gesichtet werden, allerdings ohne Nisterfolg. Es schaute der ein oder andere Storch vorbei, doch keiner blieb für längere Zeit.
Zwei Jahre nach der Errichtung, am 15.03.2024 war es so weit. Ein beringtes Männchen bezog den Horst und begann ihn auszubauen. Anhand der Ringbezeichnung (DEW-2V442) konnte herausgefunden werden, dass dieser Storch bei der Deutschen Vogelwarte Wilhelmshaven registriert ist. In Deutschland gibt es drei Vogelwarten, die für die Dokumentation und das Beringen der Weißstörche verantwortlich sind, DEW steht für Deutsche Vogelwarte Wilhelmshafen,
die auch für NRW zuständig ist, DEH (Deutsche Vogelwarte Hiddensee) und
DER (Deutsche Vogelwarte Radolfzell). Mithilfe der Ringnummer bekamen wir den Steckbrief unseres Männchens und wussten dass der Weißstorch in Ostinghausen, Kreis Soest am 12.06.2020 beringt worden war. In der Nacht zum Ostersonntag (31.03.2024) folgte ein weiblicher Storch, leider ohne Ring und das Liebeswerben begann. Da es üblich ist einem Brutpaar Namen zu geben, entschieden wir uns unser Paar nach den ältesten noch lebenden Hilbecker Bürgen zu benennen. So bekam unser Weibchen den Namen Gerda und unser Männchen den Namen Willi.

